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Die Aufgabe: Verbinde Einheit mit Vielfalt

 

Geschichten über Helden und Taten

 

Es lohnt sich, die Thematik der Inklusion im historischen Zusammenhang zu betrachten, um so ihre tragfähige Bedeutung für eine zielgerichtete, zukünftige Gestaltung der menschlichen Gesellschaft und ihrer Institutionen angemessen zu beurteilen. Wenn man Inklusion als Begriff einmal außer Acht lässt, kann man erkennen, dass die darin enthaltenen Werte der menschlichen Würde, der Selbstbestimmung, des barrierefreien Rechts auf Teilhabe oder des Diskriminierungsverbots nichts neues sind, sondern schon vor 2006 uneingeschränkt menschenrechtliche Gültigkeit besaßen. Diese Grundrechte wurden bereits als Folge der Ratifizierung der Allgemeinen Menschenrechte in Deutschland im Grundgesetz verankert und verbürgt und zwar für alle Bürgerinnen und Bürger jeden Geschlechts, jeden Alters oder sexuellen Orientierung, jeder ethnischen und religiösen Zugehörigkeit, für Menschen mit oder ohne Handicap, ...

 

„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.“ (Artikel 1)

 

Die UN-Behindertenrechtskonvention ist keine Sonderregelung für Menschen mit Behinderung sondern eine mit Blick auf diese Zielgruppe differenziertere Formulierung und Erläuterung der allgemeinen Menschenrechte. Es ist zudem ein Ansporn für die Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen, den bereits begonnenen Prozess der gesellschaftlichen Teilhabe behinderter Menschen mit ehrgeizigeren Zielen fortzusetzen und alle institutionellen Anstrengungen auf das Ziel einer inklusiven Gesellschaft zu intensivieren. Die perspektivisch durch die UN-Behindertenrechtskonvention anvisierte Wegstrecke zum Gipfel ist, wie verdeutlicht wird, noch sehr lang und der Handlungsbedarf noch immens, aber das in Aussicht gestellte, herrliche Gipfelpanorama wird sicher das Engagement noch vieler Generationen anspornen und als Zielmarke begleiten.

 

Im etwas größeren geschichtlichen Kontext der letzten 200 Jahren betrachtet, wirkt die in allen Staaten der Erde seither in Richtung auf größere Partizipation und Inklusion bereits vollbrachten gesellschaftlichen Reifungsprozesse sehr ermutigend auf uns heutige Betrachter und kann uns deshalb als Inspiration für die Tragweite des noch viele Generationen übergreifenden Unterfangens dienen. Einer der heldenhaften Impulsgeber der Thematik war ganz gewiss die französischen Revolution (1789 - 1799). Diese hisste wie keine andere aus dem feudal-absolutistischen Herrschaftssystem Frankreichs heraus eine neue, seitdem nicht verblasste Fahne von Leitzielen, die unter den universellen Werten von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit noch anhaltenden Ruhm genießen. Auch wenn in der am 26. August 1789 von der französischen Nationalversammlung verabschiedeten "Erklärung der Bürger- und Menschenrechte" Frauen oder Besitzlose ausdrücklich ausgenommen waren und es sich zunächst nur um die verbürgten Rechte des männlichen Besitzbürgertums handelte, spiegeln sich ihre Leitziele in allen späteren Menschenrechtskonventionen der Vereinten Nationen, einschließlich der UN-Behindertenrechtskonvention von 2006 vollumfänglich wieder.

 

Nur kurze Zeit später traten in Persien (heute Iran) mit dem Báb (1819-1851) und Bahá’u’lláh (1817-1892) zwei aufeinanderfolgende Religionsstifter auf, die beide in der Gefangenschaft von absolutistisch-despotischen Herrschaftshäusern in Persien und im osmanischen Reich lebend, mit ihren revolutionären Lehren breite und begehbare Brücken schlugen zwischen scheinbar entgegengesetzten Kräften wie Wissenschaft und Religion, Einheit und Vielfalt, Freiheit und Ordnung, persönlicher Rechte und sozialer Verantwortung. Ihre explizit und ohne Ausnahme an die gesamte Menschheit gerichteten Schriften bilden eine leuchtende Inspirationsquelle für jeden, der sich für die universellen Werte der Allgemeinen Menschenrechte und somit auch für die Ziele der UN-Behindertenrechtskonvention engagiert.

 

So beeindruckend die menschenrechtlichen Errungenschaften der letzten 200 Jahre rückblickend auch waren, besteht bei mangelnder Achtsamkeit dennoch die Gefahr von Rückschlägen oder gar des Verlustes des bisher Erreichten. Will man die wahre Bedeutung der Thematik für den weiteren gesellschaftlichen Fortschritt nicht aus dem Blick verlieren, ist es ratsam auch einmal auf die tragischen und heute noch schmerzhaften Rückschläge aus unserer Geschichte zurück zu blicken, um aus den früheren Fehlern zu lernen. Wir denken hier vor allem an die Zeit des Nationalsozialismus im deutschen Reich, die mit ihren elitären Werten und gewaltsamen Methoden und Mechanismen von Aussonderung, Ausbeutung und Vernichtung gegen jedes bis dahin errungene Menschenrecht rücksichtslos und unbarmherzig vorging und von deren auf Vernichtung ausgerichteten Gewalt die größtmögliche Zahl und Vielfalt menschlicher Lebensformen betroffen und bedroht war. Menschen mit Behinderung wurde schlicht und einfach das Recht auf Leben abgesprochen und verweigert. 

 

Wir betrachten die UN-Behindertenrechtskonvention und die damit einhergehende Vision einer inklusiven Gesellschaft vor historischem Kontext als den bislang weitest reichenden, weltweit verbrieften Ausdruck einer humanitären Vision für die Zukunft der Menschheit. Sie ist mit der strategisch und systematisch angelegten Hoffnung  auf Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden in den Angelegenheiten aller Menschen verbunden. Das darin sich abbildende Idealbild einer inklusiven Gesellschaft will die heute an vielen Stellen wirkenden Mechanismen von Ausgrenzung, Fremdbestimmung und Ausbeutung demaskieren und überwinden. Inklusion zielt darauf ab, die Vereinnahmten zu befreien (durch die uneingeschränkte Anerkennung von Selbstbestimmung) und die Ausgesonderten einzubeziehen.

 

Wenn diese Vision, von der alle Gesellschaften der Erde noch weit entfernt sind, für die gemeinschaftlich organisierte Zukunft auf unserem Planeten keine Bedeutung hat, welche dann?