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Wer Menschen einzäunt, erzeugt Schafe

 

TEILHABE ist ...

 

Es gibt keine geruhsame Navigation und keinen Königsweg hin zur inklusiven Gesellschaft. Auch wenn die gesellschaftlichen Entwicklungsprozesse in diese Richtung schon seit vielen Generationen wirken und noch beobachtbar fortschreiten, sind sie noch längst nicht am Ziel. Sie fordern von allen Beteiligten weitere Anstrengungen und auch Selbstachtsamkeit, weil sie uns auffordern, die für gültig gehaltenen Glaubenssätze auf den Prüfstand zu stellen.

 

Die UN-Behindertenrechtskonvention weist für den weiteren Erfolg im Prozess auf einen zentralen methodischen Ansatz hin, im Originaltext bezeichnet mit „participation“. Im deutschen Wortlaut der UN-Behindertenrechtskonvention wird Partizipation mit "Teilhabe" übersetzt, was jedoch den wichtigen Aspekt von Mitwirkung und Mitbestimmung zu sehr vernachlässigt. Das Anliegen der UN-Behindertenrechtskonvention war und ist die Beteiligung und die Mitwirkung der betroffenen Menschen in allen Bereichen der Gesellschaft. Die Entstehungsgeschichte der Konvention ist selbst ein gelungenes Beispiel für erfolgreiche Partizipation, weil behinderte Menschen unter dem Motto „nichts über uns ohne uns“ von Beginn an einbezogen wurden und aktiv an ihr mitgewirkt haben. Die Beteiligung von Menschen mit Behinderung wird in der UN-Behindertenrechtskonvention auch bei der Umsetzung und Überwachung der Konvention allen unterzeichnenden Mitgliedstaaten zwingend vorgeschrieben.

 

Die Partizipation von Menschen, die in jedweder Form von Benachteiligung betroffenen oder bedroht sind, ist die Methode der Wahl, um die zumeist subtil und unbemerkt laufenden Mechanismen von gesellschaftlicher Ausgrenzung oder Vereinnahmung zu überwinden. An ihrer Stelle sind neue, inklusive und partizipatorische Mechanismen und Techniken zu etablieren. Für erfolgreiche partizipatorische Prozesse sind zudem kommunikative Kompetenzen erforderlich, die lernbar sind und nicht unreflektiert vorausgesetzt werden dürfen. Diese dürfen nicht nur nicht entmutigend oder entmündigend wirken und sollen auch mehr als nur zur freien Meinungsbildung und -äußerung ermächtigen. Entscheidend ist, dass sie integrativ wirken müssen, d. h. auf konsensuale Entscheidungs- und Meinungsbildungsprozesse zielen und hinarbeiten. Partizipatorische Prozesse erfordern Achtsamkeit und fördern messbar Lernprozesse. Als Kriterien für den inklusionsfördernden Erfolg von Partizipation, werden in der UN-Behindertenrechtskonvention zwei eng verwandte Variablen benannt: das Bewusstsein von Würde (sense of dignity) und ein positives Selbstwertgefuehl (self-worth). Diese stehen wiederum in Zusammenhang und Wechselwirkung mit dem ebenfalls in der UN-Behindertenrechtskonvention hervorgehobene Gefühl von Zugehörigkeit (enhanced sense of belonging) (vgl: preamble, lit. m).

 

Die freisetzbaren menschlichen Potenziale (human ressources) werden in der UN-Behindertenrechtskonvention als unbegrenzt und unerschöpflich angenommen. Die inklusive Transformation der Gesellschaft wäre demnach ein Empowerment-Programm. Die UN-Behindertenrechtskonvention drückt ihren ungebrochenen Glauben an die noch unerschlossenen Ressourcen in jedem Menschen aus und ermutigt besonders diejenigen, die sich noch schwach und desillusioniert fühlen, sich wieder einzubringen, sich aktiv an der Gesellschaft zu beteiligen und diese mitzugestalten. Die uneingeschränkte Partizipation aller Menschen kann nach dem Wortlaut der UN-Behinterdenrechtkonvention „zu erheblichen Fortschritten in der menschlichen, sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung der Gesellschaft und der Beseitigung von Armut“ führen.

 

Das Institut für Inklusion und Partizipation lädt alle engagierten Menschen und Institutionen ein, an einem besseren Verständnis für die Erfordernisse einer inklusiven Gesellschaft zu arbeiten.